Politik und Demonstration sind zwei Seiten einer Medaille, wobei ihr Verhältnis stark von der Regierungsform abhängt, innerhalb derer Politik gemacht wird. In den allermeisten parlamentarischen Demokratien sind Politik und Demonstration wenn schon nicht gleichberechtigte, dann doch gleich legitime Ausdrucksmittel politischer Meinung. Während man die Demonstration als meist spontanes politisches Mittel unmittelbarer Meinungsäußerung einer Gruppe von Bürgern zu einem bestimmten Thema definieren könnte, ist Politik die Gesamtheit der Mittel, mit denen die Gestaltung und die Durchsetzung aller zur Organisation des Gemeinwesens notwendiger Ziele verwirklicht wird. Insofern ist in der Mehrzahl der Demokratien eine Demonstration ein politischer Ausdruck, der sich dem parlamentarischen Mitbestimmungsprinzip zugunsten des Versuches einer direkten politischen Einflussnahme entzieht. Gleichzeitig aber ist das Recht zur Demonstration in den meisten demokratischen Verfassungen für jeden Einzelnen verankert. Zu demonstrieren ist also, unter Einhaltung bestimmter Richtlinien, und solange es sich um einen gewaltfreien Akt handelt, nicht nur nicht verboten, sondern ein ausdrückliches Recht jedes freien Bürgers. Nichtsdestotrotz sollte jeder aktiven Teilnahme an einer Demonstration eine sorgfältige Recherche der entsprechenden Rechte und Pflichten als Demonstrierender vorrausgehen. Innerhalb der Demonstration ist es zudem wichtig, sich der einzelnen teilnehmenden Gruppierungen bewusst zu sein, und sich von jenen zu distanzieren, die nicht mit den eigenen politischen Überzeugungen übereinstimmen.
In nicht-demokratischen Systemen ist das Verhältnis von Politik und Demonstration dementgegen diametral entgegengesetzt. Hier sind Demonstrationen meist ein nicht-legitimer Ausdruck der Unzufriedenheit, oft mit dem politischen System als Ganzes, und hat den Sturz dieses Systems zum Ziel. Demonstrationen in nicht-demokratischen Systemen können von der herrschenden Politik entsprechend auch nicht geduldet werden, da sie eine unmittelbare Bedrohung für dessen Stabilität darstellen. Daher werden Demonstrationen beispielsweise in diktatorischen politischen Systemen auch oft mit äußerster physischer Härte durch die Exekutive beendet. Hier ist auch oft schon die Teilnahme an einer Demonstration strafbar und Grund zum Freiheitsentzug. Dessen ungeachtet, sind viele politischen Systeme des letzten Jahrhunderte durch anhaltende Demonstrationen unzufriedener Bürger ins Wanken gekommen und zum Stürzen gebracht worden. Dies allerdings oft unter vielfachen Opfern der Bevölkerung, die in vielen Fällen und trotz physischer Repressalien, weiterhin an dem Glauben an die Demonstration als friedlichen Akt der visuellen politischen Kommunikation festgehalten hat.